Heinz Erhardt schrieb einst: “Das Leben kommt auf alle Fälle aus einer Zelle, doch manchmal endet’s auch – bei Strolchen – in einer solchen.“ Das ist so richtig, denn wir Menschen entwickeln uns wirklich aus einer einzigen Zelle. Es ist schon recht erstaunlich, dass aus der Teilung dieser einzelen Zelle Tochterzellen entstehen, die sich mehr und mehr spezialisieren. Manchmal bleiben auch sogenannte Stammzellen in definierten Körperbereichen, wie z.B. Stammzellen, die für die Neubildung von Blutzellen verantwortlich sind oder andere Stammzellen, die Keimzellen hervorbringen, mit deren Hilfe wir uns so zahlreich vermehrten.
Diese Vorgänge, wie zum Beispiel das Vermehren einer Stammzelle zu zwei Zellen (wobei eine die identische Kopie der Mutter ist und die andere Zelle sich spezialisiert) hängt nicht nur von der Umgebung ab. Es spielen auch eine ganze Reihe von Botenstoffen eine Rolle, die sicherstellen, dass es nicht zu einer trojanischen Leber kommt. Das Ziel scheint recht deutlich am Horizont: wenn man Stammzellen dazu bringen könnte, sich ungefähr wie bei der Entstehung eines Menschen im Mutterleib auszudifferenzieren, dann könnte man Gewebe oder sogar ganze Organe nachwachsen lassen. Angesichts des Mangels an passenden Spenderorganen, dem steigenden Bedarf daran und der Schwierigkeit, bestimmte Organe überhaupt sinnvoll zu transplantieren, lässt sich die Relevanz einer solchen Methode erahnen.
Forscher versuchen nun den zugrundeliegenden Mechanismen auf die Spur zu kommen und sie haben in Modellen schon ganz beachtliche Leistungen erzielt. So kann man, mit einigen Tricks und Kniffen, aus einer Stammzelle, die man in einer Kulturschale vermehren kann, eine neue und gesunde Maus wachsen lassen. Neuerdings kann man auch spezialisierte Zellen, wie etwa Zellen des Bindegewebes (Fibroblasten) überzeugen, ihre ursprünglich zugewiesene Aufgaben zu vergessen und sich wie Stammzellen zu verhalten. Das nennt man induzierte Stammzellen. Da Stammzellen nicht unbedingt einfach zu gewinnen sind und sich dabei eine Reihe ethischer Fragen ergeben, würde es eine Menge Probleme lösen, wenn man aus leicht entbehrlichem Bindegewebe Stammzellen herstellen könnte.
Aus induzierten Stammzellen kann man inzwischen ebenfalls eine gesunde Maus gewinnen, wenn man keine Fehler macht. Und was mit der Maus klappt, sollte doch auch mit humanen Zellen gehen, denkt man sich. Tatsächlich ist es auch gelungen, Zellen, die wie humane Stammzellen aussehen, zu kultivieren. Fibroblasten lassen sich in Stadien versetzen, die induzierten Stammzellen sehr ähnlich sind. Wie kann man das überprüfen? Kann man solche Zellen in Menschen injizieren und warten, ob sie dort funktionieren? Das ist ethisch natürlich nicht zu vertreten. Welche Alternativen gibt es?
Verschiedene Studien haben gezeigt: Injiziert man Mäusen solche humanen, stammzell-ähnliche Zellen, dann wachsen Tumore, die an sehr verschiedene Gewebe erinnern, wie zum Beispiel Haare, Knochen und Muskeln. Hier wären zwei Erklärungen denkbar: Entweder bilden die Mäuse dieses Gewebe, das wäre ein Schritt in die Richtung von nachwachsenden Organen – oder es sind schlicht und einfach Tumore, planlos wild wucherndes Zellgewebe, was dort wächst.
Die Antwort ist, dass es sich wirklich um Tumore handelt. Was jedoch noch nicht die Frage beantwortet, ob diese Zellen auch in Menschen Tumore induzieren, wenn man solche Tumorformierung in Mäusen sieht. Allerdings wird man auch weiterhin eine Methode suche müssen, um geeignete Stammzellen finden zu können. Eine therapeutische Verwendung solcher induzierten humanen Zellen, die zwar wie Stammzellen aussehen, aber eben in Mäusen Tumore induzieren, ist sehr vorsichtig gesagt in menschlichen Patienten zumindest fraglich. Und damit wären wir wieder bei Heinz Erhardt: nicht jede Zelle nützt ihrem Besitzer so, wie er es gern hätte.







