Ein Dach über dem Kopf zu haben heißt für die meisten von uns, dass ein festes Etwas uns vor “unerwünschten Artgenossen, Witterung und Tieren” schützt und dafür sorgt, dass uns niemand beim Herummuffeln, beim Hantieren mit Zahnseide oder beim Zusammenbauen von IKEA-Möbeln beobachten kann. Wer dann doch die eine oder andere Katastrophe aus den eigenen vier Wänden mitteilen möchte, kann dies ja dank Facebook tun – die Entscheidung liegt bei einem selbst.
Doch es gibt nicht nur die bekannten Baustoffe Stein, Holz, Stahl und Glas, um eine feste Hülle zu schaffen. Der historisch gesehen sehr junge fünfte Baustoff, den es erst seit 25 Jahren gibt, heißt Ethylen-Tetrafluorethylen, kurz ETFE, und ist erst einmal eine schlicht wirkende robuste, durchsichtige Folie. Es liegt wahrscheinlich nicht an dem kaum auszusprechenden Namen, dass bislang weltweit nicht mehr als geschätzte 300 Bauten aus ETFE-Membranen oder Kissen errichtet wurden. (Quelle) Abgesehen von Fußballstadien wie der Allianz Arena in München oder Schwimmhallen wie z. B. in Peking wird der Baustoff bislang eher selten genutzt. Dies könnte sich zukünftig ändern, denn erst verschiedene Beschichtungsmöglichkeiten und die wirksame Reflektion der Wärmestrahlung machen diesen Baustoff
für Wohnungen oder Häuser so richtig interessant. Bislang hielten ETFE-Membranen z. B. die Wärme kaum zurück.
Bei Fraunhofer ist es u.a. gelungen, die Folie so zu behandeln, dass trotz ihrer Antihafteigenschaften eine Aluminium- und Lackschicht aufgebracht werden kann, die Wärmestrahlung reflektiert. Und diese Beschichtung hält nicht nur kurze Zeit, sondern sie ist langlebig. So könnte man seine vier Wände oder auch nur eine Wand aus Luftkissen bauen und sie als Pinwand nutzen – eine Verlängerung von Facebook in das reale Leben. Dabei spielt die Beschichtung wieder die entscheidende Rolle: Kissen, die aus einer transparenten ETFE-Folie bestehen, die das Beamerlicht ungehindert passieren lässt, werden zu einer Leinwand, wenn die Gegenfolie weiß beschichtet ist – fertig ist die Rückprojektion. Ein herkömmlicher Beamer reicht aus. So könnten Fotos oder wichtige Mitteilungen an die Nachbarschaft gepostet werden wie die Bitte, endlich mit dem Laubsaugen aufzuhören. Und wer sich bei seiner Nachbarschaft unbeliebt, sich also selbst zum unerwünschten Artgenossen gemacht hat, und vorausschauend eine transportable Luftkissen-Wohnung gebaut hat, kann viel einfacher umziehen als dies mit den herkömmlichen Baustoffen möglich ist.








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