Wächst Gemüse auch auf dem Mars?

Im Jahr 2023 sollen die ersten Menschen auf dem Mars landen. Zumindest wenn es nach der privaten Stiftung Mars One geht. Geleitet vom niederländischen Unternehmer Bas Lansdorp hat sie sich das Ziel gesetzt, eine dauerhafte und bemannte Basis auf unserem Nachbarplanten zu errichten. Bis 31. August 2013 ist jeder aufgerufen, sich als Astronaut zu bewerben. Ausgewählt werden aber nur 40 davon und für sie wird es eine Reise ohne Rückkehr sein. Denn geplant ist nur der Hinflug zum Mars und der Aufbau einer Basis. Wer auf dem Mars gelandet ist, der soll dann auch dort bleiben und leben.

Leben wir bald auch auf dem Mars (Bild: Mars One)

Aber auf dem Mars lebt es sich nicht so angenehm wie bei uns auf der Erde. Unser Nachbarplanet ist eine kalte Wüste aus Sand und Steinen. Die Atmosphäre ist extrem dünn und besteht fast komplett aus Kohlendioxid. Die durchschnittliche Temperatur liegt bei ungefähr minus 50 Grad Celsius. Für uns Menschen ist das viel zu kalt; wir können ohne Schutz nicht auf dem Mars überleben. Wir müssen künstliche Habitate bauen, in denen die Bedingungen für uns angenehmer sind. In solchen künstlichen Stationen müssen auch die künftigen Siedler des Mars-One-Projekts leben. Natürlich können sie auf ihre Reise keine allzu großen Mengen an Vorräten mitnehmen. Alles Material muss ja von der Erde aus mit Raketen ins All gebracht werden und je schwerer die Rakete ist, desto teurer und komplizierter wird die Mission. Es wird schon schwer genug werden, genug Ausrüstung für die monatelange Reise zum Mars mitzunehmen. Auf dem Planeten angekommen, muss man sich selbst versorgen.

Aber kann auf dem Marsboden überhaupt etwas wachsen? Das untersucht derzeit ein Projekt der niederländischen Universität Wageningen. In Holland kennt man sich mit der Aufzucht von Gemüse aus. Nach den USA sind die Niederlande der größte Agrarexporteur der Welt. Die Niederlande sind ein kleines Land, aber man hat dort gelernt, das Maximum an Ertrag aus den vorhandenen Anbauflächen herauszuholen. Die große Erfahrung mit dem Anbau von Gemüse will der Ökologe Wieger Wamelink nun auch in den Dienst der Raumfahrt stellen. In einem Gewächshaus simuliert er derzeit die Böden von Mars und Mond. Natürlich nicht mit echtem außerirdischen Material. Es gibt nur wenig Mondgestein auf der Erde und noch viel weniger originales Material vom Mars. Diese Gesteine sind viel zu kostbar, um sie für solche Experimente zu verwenden. Aber mit Hilfe der NASA hat Wamelink den Sand exakt simuliert, der die Böden von Mond und Mars bedeckt.

Gewächserhäuser in den Niederlanden - bald auch auf dem Mars? (Bild: CC-BY 1.0)

So wie auf der Erde bestehen auch diese extraterrestrischen Sandarten hauptsächlich aus Siliziumdioxid. Der Marssand enthält aber auch noch viel Eisenoxid, also Rost, der ihm die typische rote Farbe gibt. Auch viele wichtige Nährstoffe für Pflanzen wie Phosphat, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium sind enthalten. Eines aber fehlt: Stickstoff. Und der ist für das Wachstum unserer Pflanzen enorm wichtig. Man wird also auf jeden Fall Stickstoff mitnehmen müssen, wenn man auf dem Mars Pflanzen anbauen will. Aber selbst wenn das gelingt, sind die Produkte vielleicht nicht genießbar. Denn die fremden Böden enthalten einige Gifte, die in die Pflanzen gelangen könnten.

Es ist also fraglich, ob die Selbstversorgung der Marskolonisten wirklich funktionieren wird. Ebenso fraglich ist aber die gesamte Mission. Der ehemalige deutsche Wissenschaftsastronaut Ulrich Walther hält sowohl den Zeitplan als auch die Kostenabschätzung für “völlig unrealistisch”. Wie ernst “Mars One” das Projekt wirklich nimmt, wird man spätestens 2016 sehen. Da soll laut Zeitplan die erste unbemannte Rakete starten, die Versorgungsgüter zum Mars bringt. Es ist zweifelhaft, ob unser Nachbarplanet wirklich so schnell von uns besiedelt werden kann. Aber es ist nicht unmöglich. Und irgendwann wird jemand den ersten Schritt machen…

Florian Freistetter

Florian Freistetter ist Astronom. Er promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, arbeitet dort an der Dynamik der extrasolaren Planeten, ärgert sich mit den Details der DFG-Antragstellung herum und bloggt über Wissenschaft.

3 Antworten

  1. Knut Wüstenhöfer

    Sehr geehrter Herr Freistetter !
    Ich bin Knut Wüstenhöfer : Deutscher Schriftsteller . Ich versuche mit Herrn Bas Lansdorp per Email in Kontakt zu treten , weil ich mich sehr gerne als Kandidat für das Projekt ” Mars One ” bewerben will . Aber nirgendwo ist seien Email – Adresse angegeben. Können Sie mir freundlciherweise weiterhelfen , bitte .
    Vielen Dank für Ihre freundliche Hilfe . Mit freundlichen Grüßen Ihr Knut Wüstenhöfer

  2. Für die Mars One Mission kann man sich auf der dortigen Homepage bewerben: http://applicants.mars-one.com/