Tschüss Wetterfrosch

Die so genannte Wetterfühligkeit könnte der Überrest eines eingebauten Wetter-Frühwarnsystems sein. Man kann sich gut vorstellen, dass es für das Leben ausgesprochen sinnvoll war und auch heute auch noch wäre, über Stürme, Starkregen, Eisregen und ähnliches bereits vor dem Eintreten informiert zu sein. Nach einer repräsentativen Umfrage gehen 54 % der Bevölkerung davon aus, dass das Wetter die Gesundheit beeinflusst, 19 % der Befragten sehen im starken Einfluss des Wetters einen Grund für Kopfschmerzen, Migräne, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Müdigkeit.

© Anne Schneidersmann

© Anne Schneidersmann

Erwiesen ist, dass bei Wetterwechsel – insbesondere beim Durchgang einer Kaltfront auf der Kaltfrontrückseite – die Schmerzhäufigkeit und -intensität bei Kranken zunehmen. Änderungen des Temperatur-Feuchte-Milieus – also wie kalt und feucht es ist – verbunden mit sich änderndem Luftdruck sind dafür verantwortlich. Im Prinzip beruht das Wetter auf dem Druckausgleich zwischen Gebieten mit hohem Luftdruck und Gebieten mit niedrigem Luftdruck. Ein Tiefdruckgebiet am Boden geht dabei Hand in Hand mit einem Hochdruckgebiet in der Höhe und umgekehrt. Das zieht einen Kreislauf von auf- und absteigenden Luftmassen nach sich; auch konvergierende und divergierende Luftmassen genannt. Auf der “Kaltfrontrückseite” treffen die Luftmassen in ihrem Fluss auf die Erde, die kalte Luft von oben fliesst herunter. Schauer, höhere Luftfeuchtigkeit und Kühle sind die Folge. Auch der Luftdruck steigt nach dem Durchgang einer Kaltfront und so sieht eine Kaltfrontrückseite aus. Dass es trotz dieses durchaus berechenbaren Kreislaufs so schwierig ist, das Wetter richtig vorherzusagen, liegt an der enormen Vielfalt der Einflussfaktoren, darunter die komplizierte Wechselwirkung der Hoch- und Tiefdruckgebiete, die die Luftbewegung ablenkende Coreoliskraft und die Sonneneinstrahlung.

Ob unser körpereigenes Wetter-Frühwarnsystem zur Wettervorhersage heute noch gut funktioniert und vor allem wie zuverlässig es “arbeitet,” mag jeder und jede für sich selbst beantworten. Wer lieber auf Messdaten setzt, findet im Internet diverse Unwetterwarndienste. Wer genau wissen möchte, ob es sich lohnt, die Gartenmöbel weg oder den Keller leer zu räumen, die Balkonpflanzen einzupacken und wann das Sicherheitsventil bei steigendem Grundwasserpegel zu schließen ist, interessiert sich wahrscheinlich mehr für geographisch präzisere Messungen und Auswertungen. Beim Fraunhofer ISST wird im Rahmen des Projekts SAFE (pdf) daran gearbeitet, neue Messtechniken für Extremwetterlagen zu entwickeln, die Prognosemethoden zu verbessern und uns zu ermöglichen, schneller und besser auf Unwetter reagieren zu können. Dazu gehört die Entwicklung von kostengünstigen Sensoren und eines speziellen Unwetter-Prognosemodells inkl. “Warnmodul.” Durch eine große Anzahl flächendeckend angebrachter Sensoren ergibt sich dabei in Verbindung mit Satellitendaten oder über Radar erfassten Daten ein sehr engmaschiges Meßnetz. Damit wird überhaupt erst ein Prognosemodell möglich, das orts- und zeitgenaue Vorhersagen ermöglicht. Das Warnsystem wertet die Daten aus, um im Falle von Blitzeis, Neuschnee, Frost oder Starkregen die zu benachrichtigen, die es interessiert – an dem Ort, wo sie sind und genau in dem Moment, wo sie es brauchen. Die Wetterfühligkeit wandert vom Körper ins Handy. Und in der Zukunft vielleicht sogar wieder zurück in den Körper.

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