Thema der Woche: Ein Erdbeben der Empörung

Schäden des Erdbebens in L'Aquila im Jahr 2009 (Foto: Alessandro Giangiulio, CC BY 2.0)

Forscher müssen für sechs Jahre ins Gefängnis, weil sie nicht ausreichend vor dem Erdbeben in L’Aquila am 6. April 2009 gewarnt haben sollen. 309 Menschen kamen dabei ums Leben. Drei Jahre später werden die Forscher wegen Totschlag verurteilt. Wissenschaftler und Medien kiritisieren das Urteil heftig: “Nach dieser Logik könnte man tagtäglich Meteorologen verurteilen, wenn sie Sonnenschein, Hagel oder Schnee nicht richtig vorhersagen. Und dabei lässt sich das Wetter im Vergleich zu Erdbeben sogar noch recht genau prognostizieren”, heißt es etwa auf “Zeit Online“.

Deutsche Wissenschaftsblogger sind sich weitgehend einig: das Urteil ist ungerecht. Lars Fischer kommentierte es als einer der Ersten: Bei aller berechtigten Kritik an den Forschenden sei eine Verurteilung wegen Totschlags ungerechtfertigt. Scilogger Gunnar Ries schließt sich dem an und verlinkt er auf weitere Kommentare von Geo-Bloggern. Laut “Wired” sendet das Urteil ein falsches Signal, wie mit Gefahrenbewertungen generell umzugehen sei.



Eine der wenigen Gegenstimmen kommt von dem Gastblogger David Ropeik bei “Scientific American”. Er hält das Urteil nicht für einen Skandal. Aus seiner Sicht hätten die Forschenden die Verantwortung gehabt, die Erbebenrisiken besser zu kommunzieren.

Warum es so schwer ist, verlässliche Erdbebenvorhersagen zu treffen, hatte Sascha Lobo vergangenes Jahr im Forschungs-Blog erklärt.


Open Access, US-Wahlen und Papp-Räder

22.-28.10.2012

Wissenschaftliche Arbeiten werden immer häufiger kostenlos und frei zugänglich veröffentlicht. Warum der Aufstieg von Open Access nicht mehr aufzuhalten ist erklärt der Biologieprofessor Stephen Curry in seinem Blog. Breit diskutiert wurde und wird das Thema bei der “Open Access Week”. Eine der Podiumsdiskussionen in
Berlin mit Beteiligung des Wissenschaftsverlags Elsevier hat Matthias Fromm in seinem Liveblog dokumentiert.

Open-Access-Strategien für Wissenschaftseinrichtungen stehen im Paper der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, auf das Beatrice Lugger verweist. Ein vielbeachtetes Plädoyer haben Christian Heise und Mercedes Bunz veröffentlicht: Mehr Offenheit sehen sie als “Motor für Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft”.

23.10.2012 | Christiane Gelitz, Spektrum.de

Statistik und warum man die eigene Stimme vom Anrufbeantworter nicht mag, waren Themen vom Forschungsblog. Die Statistik zeigt Überraschendes über die US-Präsidentschaftskandidaten und dass nur die
richtige Stimme für genügend Wählerstimmen sorgt: „Knapp 80 Prozent empfanden den Kandidaten mit der tieferen Stimme als dominanter…“ Die Stimme, aber auch Körpersprache oder biographische Hintergründe entscheiden mit über  Sieg oder Niederlage bei Wahlen -  zumindest bei einzelnen TV-Duellen.

23.10.2012 | Betsy Mason, Wired

Das Mikroskop-Bild des Jahres – für Nicht-Fachleute nicht erkennbar – ist die Blut-Gehirn-Schranke eines lebenden Zebafisch-Embyros. Die Bildstrecke der diesjährigen Top 20 fasziniert, weil Details mit bis zu 1.500-facher Vergrößerung ganz groß werden.

23.10.2012 | Mareike König, hypotheses.org
Mit den Leuten ins Gespräch kommen – das ist sicher eines der Grundmotive fürs Bloggen. “Bleiben dann allerdings Kommentare aus, scheint den Wissenschaftsblogs eine ihrer Grundlegitimationen entzogen”, schreibt Mareike König. Sie setzt sich mit den vermeintlich fehlenden Kommentaren in der (Wissenschafts-)Bloglandschaft auseinander und bekommt auf ihren Artikel knapp 30 Reaktionen.
24.10.2012 | Janina Kalle und Jakob Leube, Zapp
Als französische Forscher von krebserregendem Genmais berichteten und Bilder von Ratten mit Tumoren um die Welt gingen, sahen sich viele Menschen bestätigt: Gentechnik ist schädlich – und die von “Monsanto” erst recht. Schnell mehrte sich die Kritik an der Studie wegen fehlerhafter Statistik (mehr zu Statistik im Forschungs-Blog). Das Medienmagazin „Zapp“ thematisiert die Reaktionen auf die Genmais-Studie und kritisiert die allzu unkritischen Journalisten ”im Studienrausch“.
25.10.2012 | Andrea Reidel, Velophil
Fahrradfahren ist umweltschonend, gesund und vor allem dann schön, wenn die passende Infrastruktur angelegt ist. Umso besser, wenn man das Fahrrad selbst aus nachwachsenden Rohstoffen baut. Bambus oder Holz kann man sich eher vorstellen als Pappe, aber auch das geht, wie der Prototyp des Papp-Fahrrads zeigt.
In den Kommentaren könnt ihr gern eure Links zu interessanten Artikeln posten.

2 Antworten

  1. Pingback: Thema der Woche: Klimawandel. Alles nur erfunden? | Forschungs-Blog

  2. Pingback: Thema der Woche: Heiß wie nie | Forschungs-Blog

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