Thema der Woche: Die Forschung am H5N1-Supervirus

Elektronenmikroskopische Aufnahme von H5N1

Nur wenige Mutationen reichten aus, um den “Vogelgrippe-Virus,” den H5N1-Erreger, so zu modifizieren, dass er zwischen Säugetieren (Frettchen) übertragbar wurde. Fünf einfache Punktmutationen reichten aus, um den Vogel-Virus zu verwandeln. Ein Erfolg für die Forscher, deren Experimente vor rund einem Jahr in einer breiten Debatte mündeten: Sind Experimente mit Super- oder Killerviren, wie sie in vielen Medien genannt werden, zu gefährlich? Viele Menschen sind besorgt, vor allem in den USA. Die Angst vor Laborunfällen oder “Superviren” als potentielle Biowaffe und die Frage, inwieweit die Ergebnisse veröffentlicht werden sollten, führten zu einem freiwilligen, einjährigen Moratorium.

Nun erklärt eine Gruppe von Forschern in den Magazinen “Science” und “Nature”, dass sie die Arbeit mit dem H5N1-Virus fortsetzen wollen: Die Forschung sei zwar nicht komplett ohne Risiko, allerdings sei es gefährlicher, unvorbereitet auf eine Pandemie zu sein. Schließlich mutieren Viren auch in der Natur – das ist nur eine Frage der Zeit.

Der Text eines Kommunikationswissenschaftlers in der “FAZ” geht mit Blick auf die Biosicherheitsdebatte für Scienceblogger Tobias Maier weitgehend “am Thema vorbei”: “die [vom Autor] beschworenen Amateurbiologen, die in Garagenlaboren Killerviren züchten, die gibt es nur im Film.” Wie es in den Hochsicherheitslaboren aussieht, in denen an gefährlichen Erregern geforscht werden darf, zeigt Maier mit einem Video. Dass “das Moratorium (…) nicht für eine ausführliche Debatte über Biosicherheit genutzt” wurde, bedauert der promovierte Biologe in Übereinstimmung mit dem Autor des “FAZ”-Beitrags.

Die Erforschung der H5N1-Viren muss weitergehen, bekräftigt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, im Interview mit dem “Deutschlandfunk”: “Für uns ist der Nutzen einfach die Risikoabschätzung. Wir waren ja gefragt, sind diese Viren wirklich gefährlich, können diese Viren auf den Menschen übergehen, können diese Viren möglicherweise zu einer zukünftigen Pandemie führen, was natürlich für eine Vorbereitung für eine zukünftige Pandemie absolut essenziell ist.” Lars Fischers Beitrag zum Thema (“Warum es eine ganz dumme Idee ist, nicht an “Superviren” zu forschen”) zielt in eine ähnliche Richtung: “Wenn das nächste Killervirus rumgeht, wird das Wissen aus Versuchen (…) den Unterschied machen zwischen ein paar tausend Toten und ein paar Millionen.”

Fracking

Fracking war bereits im letzten Wochenrückblick Thema. Weil die Methode zur Gas- und Erdölförderung so umstritten ist, taucht der Begriff seit 2010 verstärkt in unserem Sprachgebrauch auf. Daher wird er für Anatol Stefanowitsch zum “starken Kandidat für den Anglizismus des Jahres”. Was Fracking für die Umwelt bedeutet, zeigt ein neuer Beitrag von Christian Reinboth: In North Dakota fördert man mittels Fracking “in großem Stil” Erdöl. Das dabei anfallende Erdgas wird verbrannt und leuchtet so hell, dass es aus dem Weltall sichtbar ist. Große Chemie-Konzerne erwägen aufgrund der gesunkenen Rohstoffpreise eine Rückkehr in die USA, wo die Produktion bislang zu teuer war.

Obamas Agenda
Barack Obama setzt in seiner zweiten Amtszeit das Thema Erderwärmung auf seine politische Agenda . Insbesonders wendet er sich gegen Klimaskeptiker, die gerade in den USA populär sind: “Some may still deny the overwhelming judgement of science, but none can avoid the devastating impact of raging fires and crippling drought, and more powerful storms.”
Stephen Hawking
“Was hat der eigentlich gemacht?”, fragt sich Florian Freistetter. Es geht um Stephen Hawking, den bekanntesten lebenden Wissenschaftler überhaupt. Es ist schwierig, seine Forschung “auf fachlicher Ebene zu verstehen”. Freistetter verweist daher auf ein Video, das zumindest einen kleinen Einblick gibt.
“Die glückliche Leber”
Warum gegen alternative “Heilverfahren” kämpfen, wenn es offensichtlich so vielen Menschen hilft? Dieses Argument führen Verfechter von Homöopathie immer wieder an. “Das kann man natürlich so sehen” schreibt Bernd Harder als Antwort auf einen Blogkommentar und zeigt einen “Geistheiler und Hellseher”, der Masern-Impfstoffe ablehnt, weil die Leber jahrelang reifen müsse. “Das sollte eigentlich Ihre Fragen beantworten”, findet Harder.
Mission to Mars

“In einer Mischung aus Big Brother und Dschungelcamp für Wissenschaftler” sollen demnächst die Kandidaten und Kandidatinnen für eine Reise zum Mars ausgewählt werden. Die Stiftung Mars One plant, bis 2023 eine dauerhafte Mars-Kolonie zu errichten und will u.a. über die Auswahlshow das Projekt finanzieren. Hauptgewinn: ein Ticket zum Mars ohne Rückreise. Namhafte Wissenschaftler wie z. B. der niederländische Physiker und Nobelpreisträger Gerard ‘t Hooft sind als Berater und Botschafter des Vorhabens gelistet. “Das Projekt offiziell kommentieren wollten aber weder Vertreter des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) noch der europäischen Raumfahrtbehörde ESA.”

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