Thema der Woche: Am Klimawandel zweifeln

Klimapolitik in 83 Sekunden:

“Wir sollten die Klimawissenschaftler treten, solange sie am Boden liegen. Sie haben es verdient, öffentlich ausgepeitscht zu werden”, sagte PR-Manager Marc Morano vor Jahren laut eines Artikels der Zeit. Er gehört zu einer der Lobbyorganisationen, die öffentlichkeits-
wirksam bezweifeln, dass es einen Klimawandel gibt:
“Der einzige Ort, an dem die angebliche Klimakatastrophe stattfindet, ist die virtuelle Welt der Computermodelle, nicht die reale Welt.”

“Chronologie einer organisierten Lüge” nennen das die beiden Zeit-Redakteurinnen Anita Blasberg und Kerstin Kohlenberg. Sie haben ausführlich recherchiert, mit welchen Mitteln Lobbyorganisationen wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel in Frage stellen. An den Pranger gestellt wird z. B. Michael Mann. Er hatte 1998 mit seinem “Hockeyschläger-Diagramm” auf den Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Verbrennung von Holz, Kohle und Gas hingewiesen.

Obwohl inzwischen auch wissenschaftlich erklärt werden kann, warum wachsende Eisflächen am Südpol und wachsende Gletscher am Himalaya die Erderwärmung nicht in Frage stellen, nimmt die Zahl derjenigen zu, die am Klimawandel zweifeln.

In den USA konnte sich jedenfalls “Präsident Barack Obama größeres Engagement nicht in der heimischen Politik durchsetzen,” wie Spiegel online zum Start des Klimagipfel in Doha in dieser Woche schreibt. Dass Klimaschutzpolitik nicht ohne Energiepolitik auskommt, betont Erich Vogt in seinem Beitrag zur zweiwöchige Klimakonferenz in der SZ-online. Für den Scilogger Reimund Schwarze sind “leise Töne und vertrauensbildende Maßnahmen” eine Chance, um überhaupt etwas in Doha zu erreichen.

Was aus den vor drei Jahren zugesagten Milliarden-Hilfen geworden ist, die von den Industrieländern für mehr Klimaschutz an Entwicklungsländer fließen sollten, rechnet Werner Eckert auf dem SWR Blog “K wie Klima” mit Hilfe der Umweltorganisation Oxfam nach.

Internationale Klimapoltik der letzten 20 Jahre in 83 Sekunden zusammengefasst zeigt der Animationfilm des norwegischen Forschungszentrums CICERO. “Treffend auf den Punkt” findet Christian Reinboth von Scienceblogs den Film. (Wir haben den Film oben eingebettet.)

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