Sonnensturm im Wasserglas

Verglichen mit anderen Sternen im Universum benimmt sich die Sonne ruhig und ordentlich. Ihre Helligkeit bleibt mehr oder weniger konstant, sie pulsiert nicht dramatisch und das wird sich auch noch ein paar Milliarden Jahre lang nicht ändern. Das ist auch gut so, denn ohne eine so ruhige Sonne hätte sich das Leben auf der Erde wohl kaum entwickeln können. Das bedeutet aber nicht, dass sich auf der Sonne gar nichts tut. Sieht man genau hin, dann erkennt man deutlich, dass es auch hier oft ordentlich rund geht. Besonders beeindruckende Bilder hat das amerikanische Weltraumteleskop SDO (Solar Dynamics Observatory) geliefert. Auf diesem Video kann man sogar die eigentlich unsichtbaren Magnetfeldlinien sehen da die geladenen Teilchen der Sonnenmaterie sich an ihnen entlang bewegen:

Observatorien wie SDO sind nicht nur für die Wissenschaftler wichtig, um die Sonne genauer zu verstehen. Je besser wir die Sonnenaktivität verstehen, desto besser können wir auch einschätzen, ob sie uns auf der Erde schaden kann. Normalerweise schützen uns ja Atmosphäre und Magnetfeld unseres Planeten vor den geladenen Teilchen die die Sonne ins All schleudert. In seltenen Fällen kann aber doch mal etwas den Erdboden erreichen und dort zum Beispiel zu Schäden in Transformatoren und Stromausfällen führen. Je besser wir die Sonne verstehen und beobachten, desto größer ist die Vorwarnzeit und desto besser können wir unsere Technik vor Sonnenstürmen schützen. Teleskope wie SDO oder SOHO (Solar Heliospheric Observatory) haben die Sonne daher ständig im Blick und neue Instrumente werden ständig entwickelt. Zum Beispiel ein Spektrometer das vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg entwickelt und auf der Internationalen Raumstation montiert wurde. Es sammelt seit 3 Jahren Daten und seine Mission wurde gerade nochmal verlängert damit auch das nächste Aktivitätsmaxium der Sonne im Jahr 2013 beobachtet werden kann.

Übrigens: vor irgendwelchen Weltuntergangsprophezeiungen die sich auf die Sonnenaktivität beziehen braucht sich niemand Angst einjagen zu lassen. Hier besteht keine Gefahr.

Florian Freistetter

Florian Freistetter ist Astronom. Er promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, arbeitet dort an der Dynamik der extrasolaren Planeten, ärgert sich mit den Details der DFG-Antragstellung herum und bloggt über Wissenschaft.

1 Antwort