Sind teure Batterien ihr Geld wert?

Jeder braucht Batterien. Ob für den Fotoapparat, die Fernbedienung oder das Kinderspielzeug: ohne den abgepackten Strom geht es nicht. Batterien von Markenherstellern sind dabei aber oft erstaunlich teuer, vor allem, wenn man den Preis mit den billigsten Produkten vergleicht, die erhältlich sind. Aber sind diese teuren Markenbatterien ihr Geld wert? Oder fährt man mit den billigen Produkten genau so gut?

Rhett Allain, Physikprofessor an der Southeastern Louisiana University hat sich die Sache einmal angesehen. Er verglich zwei Markenbatterien mit einer aus dem Billigladen. Natürlich muss man sich vorher überlegen, welche Größen man untersuchen will. Die Leistung (P), die in einer Batterie enthalten ist, ergibt sich aus dem Produkt von Stromstärke und Spannung. Die Energie ist die Leistung, die innerhalb eines gewissen Zeitintervalls abgegeben wird. Da dies nicht immer konstant passiert, hat Allain die Batterien an ein kleines Lämpchen angeschlossen und es brennen lassen, so lange es ging. Während der ganzen Zeit hat er Strom und Spannung gemessen und daraus dann die Leistung berechnet. So sahen die Messergebnisse aus:

Leistung verschiedener Batterien (Bild: Rhett Allain)

Leistung verschiedener Batterien (Bild: Rhett Allain)

Grün und Rot sind die beiden Markenbatterien (der Sprung in der grünen Kurve ist auf einen Fehler im Meßgerät zurückzuführen), die Leistung der billigen Batterie ist in blau eingezeichnet. Man sieht deutlich, dass hier der Leistungsabfall wesentlich früher erfolgt als bei den teuren Batterien. Betrachtet man die gesamte in der Batterie gespeicherte Energie, dann zeigt sich das gleiche Bild. Die Markenbatterien enthalten 10798 (Energizer) bzw. 9398 (Duracell) Joules; bei der billigen Batterie sind es nur 2983 Joules. Aber die wirklich interessante Frage ist die nach dem Preis. Gleicht der niedrige Preis die fehlende Energie aus?

Allain hat die “Geld-Energie-Dichte” berechnet, also die Energie pro Dollar, die jede Batterie zur Verfügung stellt. Bei den billigen Batterien sind das 14900 Joule pro Dollar. Bei den teuren Batterien ist dieser Wert überraschend ähnlich. Hier sind es 15800 bzw. 14500 Joule pro Dollar. Wenn es nur um die Energie pro Dollar geht, sind die drei Batterien also mehr oder weniger gleichwertig. Daraus folgt nun aber leider nicht, dass sich mit den billigen Batterien auch immer sparen lässt. Das hängt immer auch davon ab, wofür man die Batterie einsetzen möchte. In der Fernbedienung für den Fernseher oder einer Taschenlampe leisten die billigen Batterien genauso gute Arbeit wie die teuren. Sie müssen einfach nur öfter gewechselt werden als die teuren. Will man aber zum Beispiel ein ferngesteuertes Auto betreiben, dann funktioniert das nicht mehr, wenn die Spannung in der Batterie zu stark abfällt. Das passiert bei der billigen Batterie aber wesentlich früher.

Spannungsabfall verschiedener Batterien (Bild: Rhett Allain)

Spannungsabfall verschiedener Batterien (Bild: Rhett Allain)

Hier sind die teuren Batterien ihr Geld tatsächlich wert. Rhett Allain gibt den Batteriekäufern folgende Rat: Wer Batterien auf Vorrat kauft, sollte sich (vor allem online) nach günstigen Angeboten umsehen und Markenbatterien kaufen. Wer dagegen schnell und sofort Batterien benötigt, soll zu den Billigprodukten greifen.

Florian Freistetter

Florian Freistetter ist Astronom. Er promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, arbeitet dort an der Dynamik der extrasolaren Planeten, ärgert sich mit den Details der DFG-Antragstellung herum und bloggt über Wissenschaft.

7 Antworten

  1. Conz

    Schade, dass nicht auf die Nachhaltigkeit eingegangen wird. Bei einem Diagramm Müll-Energie-Dichte würde es für die Billigbatterien sehr übel aussehen. Batterien sind Sondermüll!

  2. pascal

    Überhaupt, Batterien. Mich würde interessieren, ob sich die teuren Akkus lohnen, und ob die sich angeblich nicht selbst entladenden Markenakkus sich tatsächlich nicht selbst entladen.

    • JJFlash

      Das mit den sich nicht selbstentladenden Akkus hat die c’t mal getestet, das stimmte soweit ich weiss für alle getesteten Modelle, es gab aber auch da unter den verschiedenen Modellen Unterschiede. Ich meine, man musste mit einer recht schnellen (aber immer noch vglw. guten) Entladung bis auf 85% rechnen und dann wirds deutlich langsamer, aber 100%ig sicher bin ich mir bei der Aussage nicht mehr. Hier der link auf den Test (leider kostenpflichtig): http://www.heise.de/artikel-archiv/ct/2009/15/152_kiosk

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