Können alle Alles lernen?

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Immer mehr Bildungseinrichtungen befassen sich mit frei zugänglichen Kursen via Internet. Es ist verheißungsvoll: Was berühmte Unis ihren Studierenden beibringen kostenlos online lernen. Das Zauberwort heisst MOOC, Massive Open Online Courses. Wer sich für “Künstliche Intelligenz” interessiert, kann
z. B. den passenden Einführungskurs der Uni Stanford absolvieren. Internetzugang und Motivation sind die Voraussetzungen, um solchen Online-Kurs durchzuhalten.

 

MOOC, Massive Open Online Courses
“Massive” kann bei den Kursen die Teilnehmerzahl sein. 160.000 nahmen an dem KI-Kurs von Stanford teil. “Open” steht für freie Zulassung und freie Inhalte: Jeder kann an den Kursen teilnehmen, unabhängig vom Vorwissen. Jeder kann Lehrinhalte erstellen. Oft sind die Lehrmaterialen frei verfügbar.

MOOC ausprobieren

Die Kurs-Auswahl ist groß, obwohl das Thema noch recht neu ist. Allein beim Marktführer “coursera” gibt es knapp 400 Kurse. Die Themen reichen von Programmiersprachen über Musikgeschichte bis hin zur Medizin.

Coursera
coursera.org

edX (u.a. MIT, Harvard University)
edx.org

World Education University WEU
theweu.com

Marginal Revolution University
mruniversity.com

Saylor University
saylor.org

Udacity
udacity.com

Deutschsprachige Kursplattformen

Hasso Plattner Institut
(Soziale Plattform für Interaktive Online-Kurse zur Informationstechnologie)
openhpi.de

Open Course World
opencourseworld.de

iversity
iversity.org

iAcademy
von Fraunhofer
(mobile Lernkurse für das iPad)
iacademy.mobi

Da ein Internetanschluss ausreicht, um an einem der Online-Kurse teilzunehmen, werden große Hoffnungen in “MOOC” gesetzt. In Deutschland werden sie auch kritisch hinterfragt – bei uns gibt es keine horrenden Studiengebühren und nicht nur Claudie Frie
fragt sich in ihrem Blog, ob MOOC didaktisch sinnvoll sind
. Doch wie funktionieren diese Kurse?

Die Kurse lassen sich grob unterteilen: Der oben erwähnte KI-Kurs fällt in die Kategorie xMOOC. Der Kursersteller gibt einen Lehrplan vor und Videofilme ersetzen die typischen Uni-Vorlesungen. Der Lernerfolg wird über Quizzes und Einsendeaufgaben gemessen. XMooc eignen sich insbesondere für grundlegende Vorlesungen.

Bei cMOOC entsteht neues Wissen durch die Kursteilnehmenden. Besonders gut sind diese Kurse daher für Experten und Expertinnen geeignet. Ein Beispiel ist der gerade laufende Kurs “Gute Apps für Kinder – ein offener Online-Kurs” des Media Literacy Labs. Die Teilnehmenden entwickeln gemeinsam einen Kriterienkatalog
für gute KinderApps.

Wer hält durch?
Da es keine virtuelle Anwesenheitspflicht gibt, braucht man offenbar ein hohes Maß an Selbstdisziplin, das vielen fehlt: Gerade einmal 7% der Online-Studierenden halten bis zum Schluss durch. Diejenigen, die am liebsten selbstgesteuert lernen, profitieren jedoch. Einen Namen hat diese Gruppe schon: “Edupunks”. Scott H. Young gehört dazu. Er hat aus freien Vorlesungsmitschnitten das 4-jährige MIT Informatik Curriculum nachgebaut und innerhalb eines Jahres erfolgreich absolviert.

Lernen und dann?
Offensichtlich lernen nicht alle auf die gleiche Art und Lernen allein reicht nicht. Am Ende zählt, was vom Gelernten wirklich in der Praxis genutzt wird.

Prof. Dr. Axel Koch hat sich intensiv mit dem Transfer von Gelerntem
in die Praxis beschäftigt und zieht das Fazit, dass etwa 80% aller Seminare und Trainings scheitern, weil dieser Transfer nicht gelingt. Für die von ihm entwickelte Methode, um dies zu verbessern,
erhielt er den Deutschen Weiterbildungspreis 2011. Die Transferstärke-Methode zeigt, an welchen Stellschrauben welcher Lerntyp drehen muss.

Ob Online-Kurse dabei helfen, dass alle Alles lernen können, wird sich zeigen. Sicher ist: “Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss”. (Wilhelm Busch)

Solveig Wehking

Solveig Wehking
Solveig Wehking hat Geographie an der FU-Berlin studiert und ihr Diplom als Medienberaterin an der TU-Berlin gemacht. Seit 2009 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Forschungsplanung in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft für das Projekt Discover Markets und den Forschungs-Blog.

Eva Poxleitner

Eva Poxleitner
Eva Poxleitner ist Bildungsreferentin für Lerntechnologien bei der Fraunhofer Academy. In ihrer Masterarbeit entwickelte sie ein Erinnerungsradio, das Demenzkranken hilft ihr autobiographisches Gedächtnis zu digitalisieren, wobei auf die Verbindung von alten Erinnerungen, Emotionen und Musik in Gehirnregionen zurückgegriffen wird. Ihre derzeitigen Lieblingswebsites sind Study Hacks und QuantifiedSelf.

3 Antworten

  1. Stefan

    Ich finde MOOCs sehr spannend und habe schon Kurse in Coursera abgeschlossen und weitere darin sowie in Udacity und EdX angefangen.

    Eine Anmerkung zum Artikel: Ich finde, wenn man die Frage “Können alle Alles lernen?” in der Überschrift stellt, sollte man im Artikel diese Frage auch beantworten. “…wird sich zeigen.” ist eher entäuschend!

  2. Solveig Wehking

    Da die MOOCs so am Anfang stehen und auch die Unterstützung des Gelernten in die Praxis (Transferstärke etc.) erst langsam beginnt, fanden wir das Ende “wird sich zeigen” sehr passend. Die Frage, ob “alle Alles lernen können”, lässt sich nicht mit ja oder nein beantworten – wir wollten da keine falschen Erwartungen wecken ;-)

  3. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit iTunesU gemacht. Ich findes sehr gut, dass ich ohne Abitur an allen Vorlesungen teilnehmen kann. Es besteht kein Praxisbezug, lernen auf diesem Weg ist für mich, Hobby und reines Vergnügen