In Städten stehen Häuser. Wer Wald, Wiesen und Felder will, der muss die Stadt verlassen. Klar, auch in den urbanen Gegenden findet man Parks und private Gärten. Aber konventionelle Landwirtschaft findet selten statt und wenn, dann höchstens am Stadtrand. Dabei gäbe es auch mitten in den Zentren jede Menge ungenutzte Flächen.
Aus dem Ziel, diese ungenutzten Flächen zu bepflanzen, entwickelte sich vor einigen Jahren das “Guerilla Gardening.” Grünstreifen oder grasbewachsene Verkehrsinseln, kleine Parks, Abrissgrundstücke oder langweilige Blumenkübel werden von den Aktivisten benutzt, um heimlich Blumen oder Nutzpflanzen zu säen. Die Guerillagärtnerei ist teils Spaß, teils politischer Protest, teils Umweltaktivismus und teils Globalisierungskritik. Die Motivation reicht vom Drang nach urbaner Selbstversorugung bis zum Wunsch, die Stadt zu verschönern. Richard Reynolds, der Autor des Buches “Guerilla Gardening: Ein botanisches Manifest” fordert die Menschen in seinem Blog auf:
Let’s fight the filth with forks and flowers!
Die Gärtneraktivisten nutzen ein weites Spektrum: vom heimlichen Verteilen sogenannter “Samenbomben” – ein Gemisch aus Erde, Samen und Ton, das im Vorübergehen auf Grünflächen abgesetzt werden kann – bis hin zur Anlage großer Gemeinschaftsgärten auf ungenutzten Grundstücken. Da meistens der Eigentümer der Flächen nicht um Erlaubnis gefragt wird, stellt die Guerillagärtnerei genau genommen eine Straftat dar. Es soll aber auch schon vorgekommen sein, dass sich Kommunen sehr über das Engagement der Aktivisten gefreut haben. Immerhin bekommt die Stadt so neu bepflanzte Grünflächen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.
Aber nicht nur politische Aktivisten oder die Urban Farming Initiative in den USA beschäftigen sich mit der Frage, wie Landwirtschaft im städtischen Raum aussehen kann. Am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen arbeitet man am Projekt inFarming. Das steht für “integrated farming” und man möchte herausfinden, wie effektiv die urbane Landwirtschaft tatsächlich sein kann. Im Gegensatz zu den Guerillagärtnern konzentriert man sich hier weniger auf die klassischen Grünflächen und Parks, sondern auf die Flachdächer vieler Gebäude. Das Konzept ist nicht für Jedermanns Dachgarten bestimmt, sondern als kooperatives Projekt gedacht, um wirklich Landwirtschaft für eine Stadt zu betreiben. Allein die flachen Dächer von Gebäuden, die keine Wohnhäuser sind, ergebn in Deutschland immerhin 1200 Millionen Quadratmeter! Platz genug, um dort Nutzpflanzen anbauen zu können. Die Energie für die Gewächshäuser kommt direkt aus der Abwärme der Gebäude. Wasser soll nicht zusätzlich verbraucht werden sondern aus einem geschlossenen Kreislauf stammen, in dem es mit Mikrosieben und selbstreinigenden Beschichtungen sauber gehalten wird. Urbane Hydrokulturen dieser Art wären energie- und emissionssparend, da die Produkte direkt beim Verbraucher entstehen und nicht erst von außerhalb der Stadt dorthin transportiert werden müssen. Die Pflanzen binden außerdem noch CO2. Supermärkte oder Kommunen könnten inFarming betreiben.

Schulungs- und Trainingsstandort für die urbane Landwirtschaft an der Manhattan School for Children, NY, USA. © Fraunhofer UMSICHT
Das Fraunhofer-Institut kooperiert mit der amerikanischen Firma Brightfarms, die in New York schon auf 1500 Quadratmeter Dachfläche Pflanzen anbaut. In Deutschland ist man noch im Versuchsstadium. Aber auch hier sollen bald erste konkrete Projekte folgen. Vielleicht liegt die Zukunft der Landwirtschaft tatsächlich mitten in der Stadt.









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