Der längste Autobus der Welt

Will man nicht mit dem eigenen Auto oder dem Fahrrad durch die Stadt fahren, sondern öffentliche Verkehrsmittel benutzen, hat man – sofern vorhanden – drei Möglichkeiten: U-Bahn, Straßenbahn oder Autobus.

U-Bahnen sind schnell und stören den Verkehr an der Oberfläche nicht. Der Bau ist aber sehr teuer und meistens lohnt sich die Untertunnelung nur bei großen Städten. Straßenbahnen lassen sich leichter einsetzen, aber auch sie brauchen Schienen und können nicht überall hinfahren. Dafür haben sie meistens mehrere Waggons und können viele Leute transportieren. Autobusse sind am flexibelsten; sie können überall dort hin fahren, wo auch Autos hin kommen. Im Vergleich zu Untergrund- oder Straßenbahnen können sie aber deutlich weniger Menschen transportieren. Am Fraunhofer-Institut für Verkehrs-und Infrastruktursysteme IVI in Dresden hat man nun versucht, das beste von Bus und Bahn zu kombinieren. Kürzlich wurde dort die AutoTram vorgestellt: der mit 30 Metern längste Bus der Welt.

Der längste Autobus der Welt (Bild: Fraunhofer IVI)

Eigentlich sieht das Fahrzeug aus wie ein ganz normaler Bus – nur eben länger: 256 Fahrgäste haben darin Platz. Der Fahrer benötigt keine spezielle Ausbildung oder einen besonderen Führerschein, denn der Bus fährt sich wie ein normaler Bus. Dafür sorgt eine spezielle Lenkung, die alle fünf Achsen der AutoTram so steuert, damit die Räder immer in der Spur bleiben. Mit dieser Mehrachslenkung lässt sich der Bus sowohl vorwärts als auch rückwärts genauso manövrieren wie ein normaler, kurzer Bus.

Das Fahrzeug soll natürlich umweltfreundlich sein. Gemeinsam mit der Professur für Elektrische Maschinen und Antriebe des Elektrotechnischen Instituts an der TU Dresden wurde daher ein spezieller Elektromotor entwickelt. Eine neuartige Kühlung sorgt dafür, dass die Temperatur allein durch die Luft reguliert werden kann. So spart man sich den Einbau weiterer Komponenten, die das Gewicht des Busses und damit auch den Energieverbrauch erhöht hätten. Neben dem Elektromotor ist ein konventioneller Verbrennungsmotor integriert; die AutoTram fährt also mit einem Hybridantrieb. Für die Zukunft ist aber ein komplett elektrischer Betrieb geplant.

Ob der Bus sich in der Praxis bewährt, muss allerdings erst geklärt werden. So ein langer Bus braucht natürlich längere Bushaltestellen. In Dresden, wo die AutoTram als erstes getestet werden soll, müssen daher nun die Haltestellen umgebaut werden. Ob sich ein 30 Meter langes Gefährt ohne Schwierigkeiten in den normalen Autoverkehr der Stadt einfügt, wird die Testphase außerdem zeigen. In vielen deutschen Städten wird sich der Bus vermutlich nicht einsetzen lassen: Nicht jede Stadt kann sich den Umbau der Haltestellen leisten und nicht jede Stadt benötigt diese große Transportkapazität. Die AutoTram könnte aber dabei helfen, den Verkehr in den Großstädten von China, Russland oder Indien besser fließen zu lassen. Liu Xiaoming, der Minister für Verkehrswesen der Stadt Peking hat sich den längsten Bus der Welt bei der Präsentation Ende August in Dresden schon selbst angesehen.

In diesem Video von der Präsentation des Busses in Dresden erklärt Matthias Klingner, Direktor des Fraunhofer IVI im Interview mit Heiko Weckbrot noch einmal genau die Vorzüge des längsten Busses der Welt:

Florian Freistetter

Florian Freistetter ist Astronom. Er promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, arbeitet dort an der Dynamik der extrasolaren Planeten, ärgert sich mit den Details der DFG-Antragstellung herum und bloggt über Wissenschaft.

3 Antworten

  1. Leider wird in dem Video nicht gezeigt, wie der Bus fährt. Das wäre wirklich interessant!

    • Solveig Wehking Solveig Wehking

      Stimmt und eine Kollegin hat tatsächlich einen Film mit dem Bus in Action. Das Video ist gerade auf Facebook gepostet worden auf der Forschungs-Blog Fanpage.

  2. Pingback: Acht Schulklassen in einen Bus… | seblog