Die gesteigerte Absorption von Gallensäuren durch gezielte Ballaststoffzufuhr ist allgemein als Instrument zur Cholesterol –Reduktion, und damit zur Verminderung des Risikos an Darmkrebs zu erkranken, anerkannt. Das Cholesterol senkende Potenzial verschiedener Ballaststoffe ist über die Messung ihres Gallensäurebindevermögens vielfältig untersucht worden. Bislang gibt es in der Literatur jedoch wenig Daten zum Gallensäurebindevermögen von Leguminosenfasern, speziell der Lupine. Genießbare Sorten dieser Nutzpflanze lassen sich erst seit etwa zehn Jahren in Nordeuropa anbauen.
Eine vorliegende Studie des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV), gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), hatte die Charakterisierung der Bindungsmechanismen zwischen Ballaststoffen aus Lupinen (Lupinus angustifolius L. Boregine) und der Gallensäure Taurocholsäure zum Ziel. Die Studie verwendete ein neu entwickeltes Verfahren, das den Verdauungsprozess im Reagenzglas simuliert, eine „In-Vitro-Digestion“. Es sollte insbesondere herausgefunden werden, welche Auswirkung mechanische und chemische Veränderungen der Fasern auf ihr Cholesterol senkendes Potenzial haben.
Während für die unbehandelte Lupinenfaser eine Bindungskapazität von 19% gegenüber Cholesterol nachgewiesen wurde, konnte durch mechanische und auch chemische Modifizierungen eine signifikante Steigerung dieser Eigenschaft erzielt werden. Ein partieller enzymatischer oder saurer Faserabbau konnte eine Verdopplung der Bindungskapazität auf 38% bewirken. Zum Vergleich: Cholestyramin, ein gängiger, Cholesterol hemmender pharmazeutischer Wirkstoff, weist eine Bindungskapazität von knapp 100% auf.
Die Studienergebnisse belegen die physiologische Wirkung der Lupinenballaststoffe und der Steigerungsfähigkeit dieser Eigenschaft durch gezielte strukturelle Modifizierung der Fasern. Der Einsatz von Lupinenfasern in der Nahrungsmittelindustrie sowie auch in der medizinischen Anwendung ist für die Zukunft vielversprechend.
Eine der unangenehmsten Begleiterscheinungen des Lebens ist das Sterben. Während mangels Erfahrungsberichten von Leuten, die schon mal gestorben sind, wenig über das Gefühl danach bekannt ist, ist der Sterbevorgang selbst äußerst unpopulär. Sehr populär dagegen sind ein paar Arten zu sterben: in der westlichen Welt sind Herz-Erkrankungen the western way to die, ebenfalls weit vorne sind Schlaganfälle.
Interessanterweise lassen sich diese beiden Todesursachen – immer wieder diskutiert, aber vermutlich doch – mit Cholesterin in Verbindung bringen, wobei es mit diesem fettartigen Naturstoff ist wie mit fast allem: zuviel ist ebenso ungünstig wie zu wenig, siehe auch zuviel Wasser (ertrinken im Meer) vs. zu wenig Wasser (verdursten, geht wegen des Salzwassers allerdings auch im Meer). Relativ unbestritten ist aber, dass die Durchschnittsperson in unserer fleischigen, fettigen, fressaffinen Gesellschaft mit Frittierfetisch zuviel Cholesterin zu sich nimmt, wenn zum Beispiel schon das Frühstück aus frittiertem Fett mit Öl in zerlassener Butter besteht. Deshalb ist es sinnvoll, Lebensmittel herzustellen, die dem Cholesterin entgegenwirken können.
Eine neue Studie der Fraunhofer Gesellschaft hat sich dabei auf die Lupine konzentriert, diese schön benamte Blume, deren Saaten man essen kann. In den Anden wird sie seit Jahrhunderten angebaut und gegessen, hierzulande gibt es erst seit kurzem süsse Lupinenarten, die besser als grauenvoll schmecken. Die Lupine hat den Vorteil, dass sie von ganz allein Cholesterin reduziert, in dem sie mit Ballaststoffen um sich wirft. Die Studie wollte diesen Effekt nachweisen und untersuchen, wie man ihn dazu noch verstärken kann. Und – Überraschung! – die Studie hat den Effekt bestätigt und mit einem paar mechanischen und chemischen Tricks die cholesterinsenkende Wirkung sogar verdoppeln können. Sonst würde der Artikel hier ehrlich gesagt auch gar nicht stehen, über Studien, die das Gegenteil der eigenen Vermutung belegen, schreibt man ja eher ungern.
Aber was bringt die Lupine mir so? Eine spannende Frage, die sich abgesehen vom Lupineneis in den nächsten Jahren noch genauer klären wird. Die Ballaststoffe der Lupine sind eine Art natürlicher Gesundheitswirkstoff. Bäckereien könnten deshalb zum Beispiel Brot mit Lupinenmehl backen, das gewissermaßen als cholesterinsenkendes Gegenmittel zum panierten Schweinebraten wirkt.
Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand stirbt man also weniger oft an den üblichen Standardursachen, wenn man seine Mahlzeiten ab und an mit Lupinen versetzt – und damit erhöht sich natürlich die Chance auf eine ungewöhnlichere, hippere Todesart (z.B. ertrinken oder verdursten im Meer). Leute allerdings, denen Mode wichtig ist und die deshalb so sterben wollen wie alle anderen, nämlich an Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Kreislauferkrankungen, die sollten in Zukunft auf eine möglichst lupinenarme Ernährung achten.